Dieses Abbild stellt die Welt besser dar als sie ist. Die Realität wird vereinfacht und durch Fiktionen geschönt: Das fördert Initiative und den Unternehmungsgeist und bewirkt insgesamt eine optimistische Sicht der Dinge.
So ist es viel einfacher, an einen fiktiven Gott zu glauben, 'alle Sorgen auf IHN werfen' zu können und ständig getröstet zu werden, als täglich der Realität ungeschminkt ins Auge zu sehen. Deshalb ist die Identifikation mit einer Religion oft so stark, dass zwischen Glaube und Realität nicht mehr unterschieden wird. Auch vernunftbegabte Menschen schalten Denken und Logik ab und akzeptieren, dass es Fragen gibt, die einfach nicht mehr gestellt werden. Solche Fragen werden mit aller Konsequenz verdrängt, denn ihre wahrhaftige Beantwortung würde das ideale Gedankengebäude zum Einsturz bringen.
Das könnte eine Erklärung sein: Religionen und Utopien sind für den Fortbestand der menschlichen Art nützlicher als die Kenntnis der oft ausweglosen, mindestens aber hoch komplizierten Realität. Was wäre die Neue und die Dritte Welt ohne Religion? Es wird also in absehbarer Zeit kein Manifest geben, das die Religionen aus der Welt schafft. Es sei denn, es könnte die Sinnfrage noch einfacher beantworten als eine Religion:
Nicht sehr tröstlich, oder?
- Gott schläft in Steinen,
- atmet in Pflanzen,
- träumt in Tieren und,
- erwacht in Menschen.
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